Reparierbare Smartphones: Neue EU-Regeln zeigen Wirkung

Die EU-Ökodesign-Verordnung bringt Bewegung in den Markt für reparierbare Elektronik. Ein österreichweiter Marktcheck der Arbeiterkammer Wien zeigt, dass Smartphones, die seit Inkrafttreten der neuen Vorgaben auf den Markt kommen, deutlich besser hinsichtlich Reparaturinformationen, Ersatzteilverfügbarkeit und Transparenz abschneiden als ältere Modelle oder andere Produktgruppen ohne vergleichbare Regelungen.

Ein österreichweiter Marktcheck der Arbeiterkammer Wien, durchgeführt gemeinsam mit BEUC und weiteren europäischen Verbraucher:innenschutzorganisationen, zeigt, dass Smartphones, die seit Inkrafttreten der neuen Vorgaben auf den Markt kommen, deutlich besser hinsichtlich Reparaturinformationen, Ersatzteilverfügbarkeit und Transparenz abschneiden als ältere Modelle oder andere Produktgruppen ohne vergleichbare Regelungen. Im Zeitraum Jänner bis April 2026 wurde in mehreren europäischen Ländern mittels Online-Recherche untersucht, wie gut Konsument:innen Informationen zur Reparierbarkeit von Smartphones und akkubetriebenen Staubsaugern finden können. Für Österreich wurden die Smartphone-Marken Apple, Samsung, Xiaomi, Oppo, OnePlus und Fairphone sowie die Staubsaugermarken Dyson, Miele, AEG, Rowenta, Samsung, Bosch, Philips, Severin, Xiaomi und Einhell betrachtet. Dabei wurden Produkte aus dem Hoch-, Mittel- und Niedrigpreissegment sowie Smartphone-Modelle vor und nach Inkrafttreten der Regulierung miteinander verglichen.

Regulierung zeigt Wirkung

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Regulierung wirkt. Für neue Smartphone-Modelle stehen wesentlich häufiger Reparaturhandbücher und Ersatzteile zur Verfügung als für ältere Geräte. Während bei Smartphones, die vor Einführung der neuen Vorgaben auf den Markt kamen, Reparaturinformationen oft gar nicht verfügbar waren, erfüllen viele aktuelle Modelle die Anforderungen bereits deutlich besser.

Noch Hürden bei Ersatzteilen und Reparaturen

Dennoch deckt der Marktcheck auch Schwachstellen auf. Nicht alle gesetzlich vorgeschriebenen Ersatzteile waren tatsächlich verfügbar, manche Lieferfristen wurden überschritten und Reparaturhandbücher fehlten bei einzelnen Geräten trotz bestehender Verpflichtung. Zusätzlich gestaltet sich die Suche nach Ersatzteilen für Verbraucher:innen häufig unnötig kompliziert: Oft müssen mehrere Support- und Serviceseiten durchklickt werden, bevor kompatible Komponenten gefunden werden können.
Besonders relevant sind die Kosten. Die Preise für Smartphone-Displays variierten in der Untersuchung zwischen 56 und 405 Euro. Während sich die Ersatzteilpreise vieler neuer Geräte noch in einem vertretbaren Rahmen bewegen, können professionelle Reparaturservices sehr teuer ausfallen. In einzelnen Fällen lagen die Kosten einer Reparatur bei bis zu 84 Prozent des ursprünglichen Gerätepreises.

Reparaturscore noch wenig sichtbar

Ein weiteres Ergebnis betrifft den neuen Reparaturscore. Dieser soll Konsument:innen auf einen Blick zeigen, wie gut ein Gerät reparierbar ist. In der Praxis ist diese Information allerdings oft erst sichtbar, wenn das vollständige Energielabel geöffnet wird. Dadurch bleibt der Reparaturscore beim Online-Kauf leicht verborgen und kann seine Orientierungsfunktion nur eingeschränkt erfüllen.

Bedeutung für Re-Use und Kreislaufwirtschaft

Für die Re-Use- und Reparaturbranche sind die Ergebnisse ein wichtiges Signal. Der Marktcheck zeigt, dass verbindliche Vorgaben zu Reparierbarkeit, Ersatzteilverfügbarkeit und Informationspflichten einen wesentlichen Beitrag zur Verlängerung der Produktlebensdauer leisten können. Gleichzeitig wird deutlich, dass weitere Schritte notwendig sind: Die Autorinnen sprechen sich unter anderem für eine Ausweitung der Reparaturanforderungen auf weitere Produktgruppen, mehr Transparenz bei Ersatzteil- und Reparaturkosten sowie eine konsequente Marktüberwachung aus.

Smartphones als Vorbild für weitere Produktgruppen

Die Studie macht deutlich: Wenn Reparatur einfacher, günstiger und transparenter wird, profitieren Konsument:innen, Reparaturbetriebe und die Kreislaufwirtschaft gleichermaßen. Smartphones könnten damit zum Vorbild für zahlreiche weitere Produktgruppen werden und den Übergang zu einer ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft beschleunigen.