Elmar Schwarzlmüller © Monika Kupka "die umweltberatung"

Gedanken zur Nachhaltigkeitsagenda:
Im besten Fall alles beim Alten bei Mehrweg

Im Wesentlichen ist die neue Nachhaltigkeitsagenda eine Fortschreibung der alten von 2008 und der bisherigen Zusatzvereinbarung Mehrweg von 2011 ergänzt um das Thema Lebensmittelabfälle. Sowohl bei Mehrweg als auch bei der stofflichen Verwertung setzt man sich bis 2030 im besten Fall das Ziel, den Status quo beizubehalten. Übertriebene Ambition ist jedenfalls nicht zu erkennen. Eine Stellungnahme von Elmar Schwarzlmüller, „die umweltberatung“ Wien.

Seit 17 Jahren setzt man in Österreich beim Thema Abfallvermeidung durch Mehrweggetränkeverpackungen auf Freiwilligkeit. Die Mehrwegquoten sind seither von rund 60 % auf rund 20 % gesunken. Auf diesem Niveau haben sie sich in den letzten Jahren eingependelt, was von den Akteuren der Nachhaltigkeitsagenda als Erfolg gewertet wird, denn diesen Trend der letzten Jahre will man nun mit der „neuen“ Nachhaltigkeitsagenda bis 2030 fortsetzen. Neue Maßnahmen zur Förderung von Mehrweggebinden findet man darin leider gar nicht.

2011 hatte man sich zur Prüfung einiger neuer Mehrweg-Maßnahmen verpflichtet (z.B. Gewichtsreduktion der MW-Glasflasche). Selbst bei diesen Maßnahmen nimmt man sich nun nur wieder vor, dass sie bis 2030 geprüft werden könnten.

Auch sonst sind die Ziele zu Getränkeverpackungen in der neuen Nachhaltigkeitsagenda wenig ambitioniert:

Zur stofflichen Verwertung von PET ist festgehalten, dass bis 2030 eine Quote von 55 % stofflicher Verwertung erreicht werden soll – ein Wert, der in Österreich schon seit 2006 durchgängig erreicht wird. Auch beim Einsatz von PET-Recyclat, sowie bei der Recyclingquote von Metalldosen werden Ziele gesetzt, die man nach eigenen Angaben schon seit Jahren erreicht hat.

Bei Groß-Events verpflichtet man sich in der Nachhaltigkeitsagenda dazu, die Verwendung nachhaltiger Getränkeverpackungen zu unterstützen. Das klingt gut. Wäre da nur nicht die Erklärung, was die Nachhaltigkeitsagenda unter „nachhaltigen Getränkeverpackungen“ versteht: nämlich nicht nur Mehrwegsysteme, sondern auch „Verpackungen aus Recyclaten und recyclierbaren Verpackungen“ – also alles von der Einweg-Plastikflasche bis zur Einweg-Aludose oder was sonst noch alles „recyclierbar“ ist.

Bei den CO2-Emissionen wird eine Reduktion um 10 % bis 2030 angestrebt. Auch das ist machbar, aber immerhin nimmt man sich hier dezidiert eine Verbesserung vor, im Vergleich zu den anderen Zielen ist das leider eine Ausnahme.

Abschließend noch ein Gedanke zu dem Ziel, die Materialeffizienz von Getränkeverpackungen zu optimieren: Seit Jahren wird von Gewichtseinsparungen bei Einwegverpackungen berichtet. Dennoch verbrauchen wird heute bei Einweggebinden in Summe deutlich mehr Verpackungsmaterial pro Liter Getränk als noch vor zehn Jahren. Gründe dafür dürften der Trend zum ökologisch sehr schlechten Einweg-Glas sowie der Trend zu kleineren Gebindegrößen sein. Diese Trends wirken sich jedenfalls negativ auf die ökologische Performance der Einweggebinde aus.

Insgesamt zeigt die Erfahrung der letzten Jahrzehnte, dass freiwillige Vereinbarungen für eine echte Forcierung des umweltfreundlichen Mehrwegsystems wohl nicht ausreichen, sondern dass es dazu verbindliche Regelungen braucht. Trotzdem können natürlich auch freiwillige Maßnahmen positive Impulse bringen. Dabei sollte man sich allerdings höhere Ziele setzen, als jene die man ohnehin seit Jahren erreicht. Gerade im Bestreben um eine „Circular Economy“ wäre eine echte Forcierung von Mehrwegsystemen und etwas mehr Mut und Ambition in dieser Sache dringend nötig.

Elmar Schwarzlmüller ist Fachberater Ressourcenschonung und Abfallvermeidung bei „die umweltberatung“ Wien.

Mehr Informationen …

VABÖ-Newsletter Artikel vom Oktober 2017: Gedanken zur Nachhaltigkeitsagenda von Christian Pladerer

Mehrweg bei „die umweltberatung“

Infos zur Nachhaltigkeitsagenda für Getränkeverpackungen 2018-2030

Nachhaltigkeitsagenda 2018-2030

Nachhaltigkeitsagenda 2008-2017

Zusatzvereinbarung Mehrweg 2011

Offener Brief Mehrweg