Giftige Wegwerfmode:
Was Temu und Shein wirklich in die Kleiderschränke bringen
Ein neuer Produkttest von GLOBAL 2000 und der AK Oberösterreich deckt massive Gesundheits- und Umweltgefahren in Mode von Temu und Shein auf. Bei vielen Produkten werden Grenzwerte ums das Tausendfache überschritten – eine massive Bedrohung für die Gesundheit der Konsument:innen. Expert:innen zeigen sich besorgt.
Ultra Fast Fashion ist längst kein Randphänomen mehr – Plattformen wie Temu und Shein überschwemmen den europäischen Markt mit extrem billiger Kleidung. Doch der wahre Preis wird an anderer Stelle bezahlt: Für Umwelt und die Gesundheit der Menschen in den Produktionsländern und letztendlich auch der Konsument:innen selbst stellen diese Produkte eine Katastrophe dar. Das zeigt ein aktueller Test von GLOBAL 2000 und der Arbeiterkammer OÖ, der 20 Kleidungsstücke der beiden Billigplattformen untersucht hat. Das Ergebnis ist alarmierend.
Billig gekauft, teuer bezahlt
Der Umsatz von Temu und Shein wächst rasant – um 63 bzw. 19 Prozent in der EU allein in einem Jahr (Quelle: Handelsverband).
Gleichzeitig steigt auch die Menge an Kleidung, die nach wenigen Einsätzen im Müll landet. Rund 23 Kilogramm Textilien pro Person landen jährlich in Österreichs Abfall – weit mehr als der EU-Schnitt.
Die Mengen an Fast-Fashion- und Ultra-Fast-Fashion-Produkten führen dabei in der Textilbranche, insbesondere im Bereich der Altkleiderverwertung zu riesigen Problemen, da diese Produkte auch für eine Wiederverwendung am Secondhand-Markt vollkommen unbrauchbar sind. Die Ressourcen sind damit unwiederbringlich verschwendet, Akteure in der Branche mit den Massen an Kleidung maßlos überfordert und die Umwelt in nie dagewesener Weise belastet.
Aber auch an anderer Stelle führt diese Art zu wirtschaften zu katastrophalen Zuständen: Um Preise von 3, 5 oder 10 Euro zu ermöglichen, wird entlang der gesamten Lieferkette gespart: an Arbeitsrechten, an Umweltschutz – und an der Produktsicherheit. Der Test von GLOBAL2000 und AK OÖ bestätigt genau das.
Die wichtigsten Testergebnisse im Überblick
Von 20 geprüften Artikeln waren sieben so stark mit gefährlichen Stoffen belastet, dass sie in der EU gar nicht verkauft werden dürften. Fünf davon stammen von Temu, zwei von Shein. Besonders betroffen waren Jacken, Stiefel, Regenbekleidung und Handschuhe.
Unter den Schadstoffen befinden sich z.B. PFAS („Ewigkeitschemikalien“), welche extrem langlebig und giftig sind und fortpflanzungsschädigend wirken können. Gleich vier Produkte fielen aufgrund massiver Überschreitungen auf.
Weiters wurden sogenannte Phthalate gefunden. Das sind hormonell wirksame Weichmacher – in der EU streng reguliert, weil sie:
• die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können
• das Hormonsystem stören
• über Hautkontakt und Hausstaub besonders leicht aufgenommen werden
Weitere giftige Substanzen wurden ebenfalls nachgewiesen – teilweise knapp unter den Grenzwerten, teilweise deutlich darüber. Betroffen waren unter anderem Blei, verbotene Farbstoffe und krebserregende oder hormonell wirksame Chemikalien.
Fazit: Wegwerfmode ist ein Gesundheits- und Umweltproblem
Der aktuelle Test zeigt deutlich: Ultra Fast Fashion ist nicht „nur“ ein Müllproblem, sondern ein akutes Risiko für die Gesundheit. Dass Kleidung bis zu 4.000-mal stärker belastet ist als erlaubt, zeigt, wie dringend die Politik einlenken muss.
Wer online billig kauft, bezahlt am Ende oft doppelt – mit Umweltfolgen, Gesundheitsrisiken und einer Industrie, die auf Ausbeutung und Ressourcenverschwendung basiert.

